über meine kunst

Ich war immer fasziniert und berührt von Kunst, wenn sie sowohl handwerkliches Können als auch einen Ausdruck der Seele preisgab. Besonders die alten Meister bewegten mich. Auf der Suche nach einer Möglichkeit, das alte Handwerk zu lernen, fand ich das Studium der Akademie Leonardo in Hamburg, die eine der wenigen Akademien war, an denen die klassischen, altmeisterlichen Techniken der Malerei vermittelt wurde. Das Studium erlebte ich als eine Zeit des Aufnehmens. Der eigene Ausdruck hatte nicht viel Raum und so entwickelte sich neben dem Studium die plastische Arbeit mit Ton, die für meine freischaffende Arbeit nach dem Studium unerwartet mehr und mehr an Bedeutung gewann. Autodidaktisch erforschte ich in kleinen Figuren das Material und größere Arbeiten entstanden. Die Malerei blieb nach dem Studium vorerst ein handwerkliches Mittel, das mir für Auftragsmalereien, Wandbilder und Illustrationen eine solide Grundlage bot, und sie kam in meiner wachsenden Tätigkeit als Dozentin und Kursleitung zum Einsatz. Das Ausdrucksmittel meiner Seele blieb die Tonplastik. Die Malerei bekam erst nach vielen Jahren wieder diese Bedeutung.

Mich interessiert der Mensch und sein Innerstes, das mal verborgen, mal sichtbar ist. Meine künstlerische Arbeit wird beeinflusst von der jahrelangen Praxis der Meditation und Innenschau, bei der die Erforschung der Frage "Wer bin ich?" eine allem zugrunde liegende Motivation ist.

Auch in meinen Tonplastiken erforsche ich die Natur des Menschen. Ich bin inspiriert von dem Göttlichen, das dem Menschen innewohnt und suche in einem meditativen Prozess einen Ausdruck dafür. Nicht nur in der Arbeit als bildende Künstlerin, sondern auch als Musikerin und Performancekünstlerin beschäftige ich mich seit vielen Jahren mit Intuition und Improvisation als Quelle für nichtpersönliche, künstlerische Schaffensprozesse. So entstehen meine Plastiken ausschließlich improvisierend: Ich wendet mich ohne Absicht dem Material zu, ohne jegliches Bild, ohne eine Vorstellung, was passieren soll. Wenn es mir gelingt, mich aus diesem Prozess herauszunehmen und ohne Bewertung den formenden Händen zuzuschauen, ergreift etwas Anderes, etwas Tieferes die Sprache, das genau weiß, was gesagt, was ausgedrückt werden will.

Auf diese Weise entstehend, drückt sich in meinen Tonplastiken die Natur des Menschen, das Spiel aus Konflikten, Hindernissen und den verschiedenen Gefühlswelten aus. Meine Arbeiten beschreiben die Göttlichkeit, das Erhebende, das ich in jedem Menschen sehe, doch auch die Niederlagen, die Zweifel und Ängste, die dem Bewusstsein um diese innere Göttlichkeit im Wege stehen. Meine Hände suchen nach der Form hinter der Form, die jenseits des persönlichen Ausdrucks oder äußerer Masken liegt, sie suchen nach der darunter liegenden Wahrheit.
Die Gegenüberstellung der vereinfachten Form und der natürlichen Form in einer Tonplastik ist für mich ein Spiegelbild des Menschen und der ihm innewohnenden Göttlichkeit.